Montag, 2. Januar 2012

Alte Brücke Sommerhausen - Winterhausen

Gerade einmal 48 Jahre alt wurde die erste Brücke die einst Sommerhausen mit Winterhausen am Main verband.
Im Jahre 1897 wurde sie auf Initiative des damaligen Bürgermeisters von Sommerhausen Gottlieb Wenninger erbaut.

"Befiehl dem Herrn Deine Wege und hoffe auf Ihn" so steht es noch heute am alten Brückenhäuschen in Winterhausen geschrieben. Doch der Weg über die Brücke nach Sommerhausen fand am 23. Februar 1945 ein jähes Ende.

An diesem herrlichen sonnigen Vorfrühlingstag kurz vor Ende des 2. Weltkriegs erfolgte wie auch am Tage davor schon ein konzentrischer Schlag der angloamerikanischen Luftstreitkräfte gegen die noch vorhandene Infrastruktur des Deutschen Reiches. Im Zuge dieser Operationen wurden planmäßig Bahnhöfe, Brücken und anderweitige Verkehrsknotenpunkte zerstört und unterbrochen.

Schwere Angriffe erfolgten an diesem Tag auch in der Nachbarschaft auf dem Hauptbahnhof von Würzburg und auf Brücken, Bahngelände und die Altstadt von Kitzingen.

 Im Rahmen dieser Operationen - Deckname "Clarion" (Kriegstrompete) wurde auch in den Mittagsstunden des 23. Februar 1945 diese Brücke durch einen gezielten Luftschlag zerstört. Einen Augenzeugenbericht dazu kann man auch hier nachlesen >>>

Heute sind von der einstmals so schönen Brücke nur noch Reste in Winterhausen zu finden. Die Auffahrtsrampe der alten Brücke führt zum Gasthaus "Alte Brücke" und endet kurz danach bei den noch sichtbaren Resten des ersten Brückenbogens.

In Sommerhausen indes erinnert nur noch eine Straße "Zur alten Brücke" an den ehemaligen Mainübergang.

Die Brücke führte dort einstmals außerhalb der Stadtmauer in eben jene nach ihr heute benannte Straße. An der Stelle wo einst die Auffahrt zur Brücke in Sommerhausen war, findet man heute ein kleines Wasserhäuschen vor.

25 Jahre mussten Sommerhäuser und Winterhäuser warten bis wieder eine Brücke beide Ortschaften verband.

Die 1970 etwas weiter flussabwärts eingeweihte Brücke sorgte Jahre später für Aufsehen, weíl sich der den Main überspannente Brückenbogen mittig zu einer Geraden abgesenkt hatte. Anfang der 80er Jahr wurde die Brücke deshalb gesperrt und nachgebessert, doch schließlich gaben die Statiker doch wieder grünes Licht für den Verkehr.

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Würzburger Dom - über und unter seinen Dächern

Viel wurde in letzter Zeit geschrieben über die jüngsten Renovierungsarbeiten im Inneren des Würzburger Doms. Siehe Main-Post-Artikel  (schöne Fotos von Obermeier) vom 28. Dezember 2011

Diese Renovierungsarbeiten betreffen zurzeit auch das nach dem 2. Weltkrieg teilweise neuaufgebaute und re-romanisierte Längsschiff des Doms. Aber auch das nach dem Krieg noch erhaltene barocke Querschiff, welches man 1987 und 1988 letztmalig renoviert hatte,  wurde nun in die umfassenden Innenrenovierungsarbeiten mit einbezogen.

Eigentlich war auch das Längsschiff zur Domstraße hin noch kurz nach dem Bombardement vom 16. März 1945 trotz abgebrannten Dachstuhls in seiner barocken Ausstattung von 1701  großteils erhalten geblieben. Ein eilig neu aufgebauter Dachstuhl sollte das innere Gewölbe vor Wind und Wetter schützen - doch es kam anders. Am  20. Februar 1946 stürzte fast das gesamte Längsschiff ein.

Nach vielen und heftigen Diskussionen über die Art und Weise des Wiederaufbaus entstand ein schlichter sogenannter "neo-romanischer" Neubau, der 1967 fertiggestellt wurde.
Der Besucher des Doms sollte von der Domstraße kommend beim Betreten einen dunklen und bedrückenden Dom  vorfinden, der Ausdruck für Krieg und Untergang sein sollte, dann im hinteren Teil sollte das noch helle und geradezu freudig triumphierende, barockisierte Querschiff Hoffnung und Wiedergeburt verkörpern.


Glücklicherweise wurde beim Wiederaufbau die Außenfassade zur Domstraße hin, nur mit einer Bimssteinmauer verblendet. So konnte im Jahre 2004 - 2006 im Zuge der Außenrenovierung des Doms dieses aufgeblendete Gemäuer wieder entfernt werden. Zum Vorschein kam im großen Teilen wieder die herrliche Vorkriegsfassade des Doms. Dabei wurden auch die Fensterrose, die dreigliedrige Galerie und die Uhrenöffnung wieder freigelegt.


Auch wenn Fensterrose und die dreigliedeige Galerie ohne wirkliche Fenster blieben, weil im Inneren die neue Domorgel einen Fensterausschnitt verhinderte, ein Gewinn für den Dom, die Domstraße und das gesamte Stadtbild war diese "Neugestaltung" des Doms allemal.

Aber was geschah eigentlich mit den teils geborgenen und teils abgebauten Überbleibseln aus dem barocken Längsschiff des Doms?

Einige Teile, wie z. B. das über dem Eingangsportal angebrachte Relief wurden in der Krypta, neben Fragmenten aus der Frühzeit des Doms ausgestellt.
Viele Teile von alten barocken Skulpturen des im Jahre 1946 eingestürtzen Längsschiffs lagern unterdessen heute unter dem Dach des vor etwa 45 Jahren neu  aufgebauten Dachstuhls und warten dort vielleicht ewig auf eine Wiederverwendung.

Montag, 24. Oktober 2011

Schönbornsches Hofgut Öttershausen - kurz vor dem Abriss

Die Tage des ehemaligen Schönbornschen Hofgut in Öttershausen sind wohl gezählt. Soweit alles nach Plan läuft wird bis Jahresende von diesem uralten, riesigen und geschichtsträchtigen Gehöft nicht mehr viel übrig bleiben. Siehe Main-Post Artikel vom 14. Oktober 2011 >>>

Kaum nachvollziehbar, wie ohne Hindernisse ein unter Denkmalschutz stehendes Gemäuer wie dieser Komplex, der immerhin teilweise unter der Federführung des großen Barockbaumeisters "Balthasar Neumann" errichtet wurde, plötzlich so zügig vom Erdboden verschwinden kann.

Der Gutshof, der Nahe Gaibach liegt gehört zur Gemeinde Volkach und kann immerhin auf eine 1000 jährige Geschichte zurückblicken. Seit 1641 ist er im Besitz derer von Schönborn. Seit etwa 35 Jahren stehen die Gebäude leer und sind dem Verfall überlassen.

Vor einigen Wochen begann eine große Abholzaktion, der auch uralte  teils mächtige Eichen zum Opfer fielen.

So ist nun der Blick frei von allen Seiten auf das Hofgut, nur im Innern befindet sich noch so mancher Wildwuchs.

Durch die Publikmachung in der Presse hat sich hier ein regelrechter kleiner Fototourismus entwickelt und so war ich am vergangenen Sonntag nicht der einzigste der ein paar letzte Schnappschüsse von Öttershausen schießen wollte.


Neben den zwei fast quadratischen ehemaligen Wohnhäusern (Dächer mit französischer Mansarde), von denen eines stark einsturzgefährdet ist, habe ich auch den einen oder anderen Blick in die zahlreichen Stallungen und Scheunen werfen können.

Die in den 1740er Jahren von Balthasar Neumann errichteten Schüttbauten, welche als repräsentative Vorratsspeicher dienten sind wohl von der Statik her am besten erhalten.

Kein Wunder, hier wurden die Geschossdecken über massive Steingewölbe gezogen, die zusätzlich zur weiteren Verstärkung Spannanker aus Eisen haben.

Eindrucksvoll auch dieser verfallene Stall mit Heulager zu sehen in den letzten beiden Bildern. Trotz allem oben sitzt noch das Heu im Schober, wohl aus der letzten Ernte vor über 30 Jahren...
Hier im Anschluss noch eine Fotogalerie mit weiteren Bildern >>>



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Sonntag, 18. September 2011

Der Sonnenstuhlturm - Kartoffelturm über Randersacker

Der Kartoffelturm über Randersacker (Ortsteil Lindelbach) südlich von Würzburg bietet einen schönen Ausblick nach Norden über Randersacker, Heidingsfeld bis hin zur Würzburger Festung. Nach Süden hin blickt man u. a. auf die Autobahnbrücke der A 3.

Der Turm wird offiziell  seit einigen Jahren "Sonnenstuhlturm" genannt, nach der dortigen Weinlage.
ImVolksmund sprechen aber Einheimische weiterhin meistens vom "Kartoffelturm".

Warum eigentlich Kartoffelturm, wegen seines Aussehens? Vielleicht weiß ja jemand mehr, auch über seine Entstehungsgeschichte?
Unterschiedliche Angaben gibt es über den Zeitpunkt seiner Erbauung. Einige Quellen sprechen von einer Bauzeit in den 20ziger Jahren, andere Quellen wiederum nehmen das Jahr 1933 als sein Entstehungsjahr an.

Fest steht der Turm hieß von 1933 - 1945 auch "Adolf-Hitler-Turm". An 3 Seiten war er mit Stein-Hakenkreuzen versehen und außerdem zur Mainseite hin zusätzlich mit der Jahreszahl 1933. Nach dem Krieg wurden die Hakenkreuze samt Jahreszahl abgeschlagen, aber Reste sind immer noch am Turm verblieben und lassen heute noch erahnen, was hier einmal am Turm herausragte.
In der Zeit des Nationalsozialismuses wurde der Turm zu Sonnenwendfeiern genutzt. Als Propagandabauwerk sollte er natürlich auch Eindruck machen auf die Reisenden der neu gebauten Autobahn Nürnberg-Frankfurt.
In der Mitte auf dem runden Turmplateau sind immer noch zwei Stahlträger einbetoniert, an denen einst ein Fahnenmast angebracht war.

Der Turm scheint im Innern hohl zu sein, jedenfalls kann man an einer Stelle durch ein herausgebrochenes Mauerstück blicken. Am Fuße des Turm sind hier dort einzelne Stufen zu sehen. Gab es wohl jemals einen Zugang ins Innere des Turms? Am Mauerwerk lassen sich oberflächlich gesehen zumindest keine Spuren von zugemauerten Türöffnungen finden.

Weitere Bilder auch hier >>>>>>>>>>>
http://s1231.photobucket.com/albums/ee514/darkprinceofgothic/Kartoffelturm/?albumview=slideshow



Donnerstag, 21. Juli 2011

Versöhnungskirche in Zell am Main

Unweit vom heute noch erhaltenen "Kloster Oberzell am Main" entstand gegen Ende des 12. Jahrhunderts das Kloster Unterzell als reines Frauenkloster, welches aber weiterhin von der Männerabtei Oberzell verwaltet wurde.
Als einer der ältesten Reste aus dieser Zeit des Klosters Unterzell kann man die unteren Geschosse des heute noch erhaltenen Kirchturms der Versöhnungskirche annehmen.
Die damalige Klosterkirche war auch Begräbniskirche der Adelsfamilie "Schenken vom Roßberg" , die unweit davon ihre Burganlage hatten.

Im  Bauernkrieg 1525 wurde Kloster Unterzell schwer verwüstet und war daraufhin lange Zeit verwaist und verfiel. Unter Fürstbischof Julius Echter wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts das Kloster wiederbelebt und neu aufgebaut.

Traurige Berühmtheit erlangte das Kloster im Zuge der Hexenprozesse in Deutschland. Die Subpriorin Renata Singer aus Unterzell wurde 1749 als eine der letzten Hexen in Deutschland auf der Würzburger Festung hingerichtet.

Nach der Säkularisation im Jahr 1803 wurde das Kloster vom Bayerischen Staat aufgehoben und verkauft.  1825 kaufte der Bauer A. Steigerwald die Kirche und baute sie im Erdgeschoss aus zu Stallungen und im ersten Stock zur Wohnung.  

Am 31. März 1945 brannte die Anlage nach einem amerikanischen Luftangriff völlig aus.

Die Kirche blieb zunächst Ruine und wurde 1968 von der evangelischen Gemeinde erworben. Sie wurde nun notdürftig teilweise wieder aufgebaut. Seit 1971 dient der ehemalige Chorraum als eigentlicher Kirchenraum der "Versöhnungskirche Zell". Das große Längsschiff der Kirche blieb dagegen bis heute Ruine.
Von der ehemaligen Klosteranlage sind auch noch Umfassungsmauern und auch Zugangstore in Resten erhalten.

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Montag, 11. Juli 2011

Ruinen in Würzburg: Romantisches Jugendstil-Gartenhaus

Eine kaum bekannte Ruine befindet sich im Würzburger Stadtteil Zellerau an der Grenzgemarkung zu Höchberg. Der im typischen Jugendstil wohl um 1900 erbaute 2-geschossige Backsteinbau befindet sich auf dem Weg "Zur Zeller Waldspitze"

Wahrscheinlich wurde es zunächst als nobles Gartenhaus für Wochenendausflüge genutzt.

Von hier aus hatte man wohl einstmals auch einen schönen Ausblick hinüber zur Steinburg und über die ganze Zellerau bis nach Veitshöchheim.

Nach dem 2. Weltkrieg diente es zunächst einige Jahre als Notunterkunft für ausgebombte Würzburger. Eindrucksvoll auch heute noch, ist der für die Größe des Hauses überdimensionale Balkon. Die Gartenanlagen rund um dem Haus wurden schon vor langer Zeit aufgegeben. Heute ist die Gegend meist dicht bewaldet.

Im Innern wurde in den letzten Jahren durch Vandalismus und Brandschatzung die Geschossdecke und die letzten Reste des Daches weitestgehend zerstört.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Bismarckturm Würzburg - Modell "Götterdämmerung"

Kaum mehr beachtet und von den Stadtvätern schon lange vergessen liegt oberhalb der Weinberge "Am Stein" der Würzburger Bismarckturm. Heute ist das Bismarckwäldchen um den Turm ein Naherholungsgebiet, das man zu Fuß aus über den Stadtteil Grombühl (Rotkreuzsteige) erreichen kann.
Um den Gründer des 2. Reiches zu ehren wurden besonders in der Regierungszeit Kaiser Wilhelms II. (1888 - 1918) zahlreiche Bismarcktürme errichtet oder schon bestehende Türme umbenannt. Am Ende mag es wohl im Deutschen Reich der 20er und 30er Jahre an die 240 Türme geben haben.
Bismarcktürme wurden einerseits als Aussichtstürme konzipiert, andererseits auch als Feuertürme/Feuersäulen erbaut.
Es gab viele verschiedene Entwürfe und Bauformen von Bismarcktürmen. Die wohl bekannteste und am häufigsten zur Ausführung gekommen Form ist das Modell "Götterdämmerung".
Auch in Würzburg entschied man sich für diese Variante.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gründete Prof. Dr. Oskar Schultze einen Verein zur Errichtung einer Bismarck-Feuersäule in Würzburg. Ausgeführt wurden die Arbeiten durch  vom Kommerzienrat und Baumeister J.E. Weber unter der Regie des Architekten Franz Ostberg.
Die Grundsteinlegung und Fertigstellung des Turm erfolgte im Jahre 1905. Als Baumaterial wählte man Muschelkalk aus Steinbrüchen vor den Toren Würzburgs.
Noch heute trägt der 15 Meter hohe Turm eine gusseiserne Feuerschale mit 2,5 m Durchmesser, welche von einem Werk in Eisennach gefertigt wurde. Die Eingangstüre ziert auch heute noch ein Relief mit Reichsadler und Schlange, welches von dem Würzburger Bildhauer Arthur Schleglmünig gefertigt wurde.

Im Innern des Turmes führen steinerne Treppen hinauf zur Plattform.Wie es heute genau im Innern des Turmes aussieht weiß wohl niemand. Eine massive Eisentüre mit zusätzlichen Streben verschweißt soll den Eingang scheinbar für die Ewigkeit verschließen. Denkmahlschutz auf Würzburger Art und gleichzeitig der einzigste Beitrag der Stadt Würzburg zur Sicherung des Turmes in jüngerer Geschichte.
Im Innern des Turmes sollen Fledermäuse ihr Quartier aufgeschlagen haben, in dessen wachsen auf der Aussichtplattform schon kleine Bäumchen.
Vor Jahren wurden immerhin auf Initiative des Verschönerungsvereins Würzburg die Bäume und Sträucher zur stadtgewandten Seite entfernt. So kann man wenigstens, wenn schon nicht vom Turm herunter, zumindest wieder auf den Turm hinaufblicken.


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